
Weil die Altersrente bis zum Ableben garantiert ist, müssen Sie sich nach der Pensionierung keine Sorgen machen, wie lange Ihr Geld reicht. Wenn Sie jedoch Ihr Guthaben bei der Pensionierung als einmalige Kapitalauszahlung beziehen, liegt es in Ihrer Verantwortung, wie Sie mit diesem Geld richtig haushalten.
Viele Personen investieren zumindest einen Teil ihres Kapitals an den Finanzmärkten, um zusätzliche Erträge zu erzielen. Mit diesen Anlagen können jedoch Wertschwankungen und Verluste verbunden sein. Beim Kapitalbezug müssen zur Deckung der laufenden Ausgaben allenfalls Vermögenswerte verkauft werden. Erfolgen diese Verkäufe in einer ungünstigen Börsenphase, kann dies den langfristigen Vermögenserhalt beeinträchtigen. Zudem muss das Kapital in der Regel risikobehaftet angelegt werden, um langfristig eine vergleichbare Rendite wie bei einer lebenslangen PK-Rente zu erzielen. Können Sie solche Rückschläge finanziell verkraften?
Publikationen

Bei Anlagen an den Finanzmärkten hängt das Risiko vor allem von der gewählten Anlagestrategie ab. Grundsätzlich gilt: Je höher der Anteil risikoreicher Anlagen – insbesondere Aktien –, desto grösser sind die kurzfristigen Wertschwankungen und desto grösser das Risiko von Verlusten. Aber auch die grundsätzlich stabileren Obligationen können bei Veränderungen des Zinsniveaus deutlich an Wert gewinnen oder verlieren.
Mit einem ausgewogenen Wertschriftendepot, bestehend aus etwas mehr als 50% Aktien, hätten Sie in den vergangenen 20 Jahren nach Abzug marktüblicher Kosten eine durchschnittliche Rendite von rund 2% pro Jahr erzielt. In diesem Zeitraum hätte das Portfolio jedoch zweimal einen Wertverlust von mindestens 14% erlitten.
Rechner

Wenn Sie sich für einen Kapitalbezug und die private Anlage Ihres Vermögens entscheiden, sollten Sie deshalb finanziell und persönlich in der Lage sein, solche Wertverluste auszuhalten. Zudem lassen sich Börseneinbrüche kaum zuverlässig vorhersagen. Besonders ungünstig können starke Kursverluste unmittelbar nach der Pensionierung sein, wenn das bezogene Kapital erstmals selbst an den Finanzmärkten angelegt wird.
Damit Sie die Kapitalmarktrisiken einer privaten Vermögensanlage selbst tragen können, sollten aus Sicht von Fachleuten insbesondere folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
- Fachwissen: Verfügen Sie über die notwendigen Kenntnisse, um Ihr Vermögen interessewahrend und effizient verwalten zu lassen oder selbst zu verwalten? Denken Sie dabei auch an das Alter. Mit zunehmendem Alter können gesundheitliche Einschränkungen – beispielsweise eine Demenz – die Fähigkeit beeinträchtigen, bewusst und eigenständig zu entscheiden.
- (Objektive) Risikofähigkeit: Können Sie finanzielle Verluste auf Ihrem angelegten Vermögen verkraften? Ihr gewohnter Lebensstandard sollte auch dann gesichert bleiben, wenn Ihr Vermögen in einer Börsenkrise vorübergehend um mehr als 20% an Wert verliert.
- (Subjektive) Risikotoleranz und Disziplin: Sind Sie auch emotional in der Lage, solche Verluste auszuhalten und an Ihrer Anlagestrategie festzuhalten? Dies gilt insbesondere dann, wenn ein Börsenrückgang zu einem ungünstigen Zeitpunkt eintritt – beispielsweise kurz nach der Pensionierung, nachdem Sie Ihr Kapital erst gerade angelegt haben. Wer in Phasen von Unsicherheit und starken Kursschwankungen nur schwer Ruhe bewahren kann, ist für die Risiken einer privaten Vermögensanlage möglicherweise weniger gut geeignet.